Wir sprechen regelmäßig mit Startups aus dem starting-business-Netzwerk und teilen Einblicke in Idee, Alltag und Vision. Dieses Mal haben wir im Januar 2026 mit Crafting Diversity gesprochen. Das Team wurde von starting business begleitet und ist außerdem in der Startup Expo ausgestellt.
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Als allererstes: Wenn ihr euer Startup in einem Song beschreiben müsstet – welcher Song wäre es und warum?
Unser Startup passt perfekt zu „Dog Days Are Over“ von Florence + The Machine. Der Song steht für Aufbruch und Mut – genau wie unsere Entscheidung, direkt nach dem Studium in die Selbstständigkeit zu gehen statt in eine Vollzeitanstellung.
Unser Business lief von Anfang an überraschend gut. Es gab weniger klassische „Downs“, dafür sehr arbeitsintensive Phasen mit langen Tagen und viel Einsatz. Nach dem ersten Geschäftsjahr merken wir: Die Arbeit hat sich ausgezahlt.
Wir schaffen einen Ort, an dem Menschen den Stress des Alltags hinter sich lassen, wieder ins kreative Tun kommen und neue Energie schöpfen.
Jetzt starten wir hochmotiviert ins zweite Jahr – mit neuen Visionen, frischen Ideen und großen Plänen. Die „Dog Days“ sind vorbei, und wir sind bereit für das nächste Kapitel.
Wie kam es zur Gründung? Wer hatte die Idee und was war der Auslöser?
Lea hatte während der Corona-Zeit die Idee und gründete noch im Studium mit ihrer damaligen Mitbewohnerin eine erste kleine Töpferwerkstatt in Wuppertal („Töpferstation“). Die hohe Nachfrage und das viele positive Feedback haben schnell gezeigt, dass darin echtes Business-Potenzial steckt.
Nach dem Umzug nach Hannover hat Lea mit Greta die perfekte Co-Gründerin gefunden, um das Projekt gemeinsam neu aufzusetzen und das Konzept weiterzuentwickeln. Wir hatten sofort den gleichen Vibe: Wir sind Macherinnen, probieren das jetzt einfach aus.
Erklärt eure Idee in einer schriftlichen Sprachnachricht – maximal 10 Sekunden lang
Wir ermöglichen Menschen, gemeinsam kreative Zeit zu erleben, den stressigen Alltag hinter sich zu lassen und etwas mit den Händen zu erschaffen – das stärkt die Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig geben wir unser Know-how in einem der ältesten Handwerke weiter, teilen unsere Ressourcen und fördern Gemeinschaft.
Welche Lösung bietet ihr für welche Zielgruppe an?
- Frauen zwischen 30 und 50 Jahren: Wir bieten einen Raum und eine kreative Tätigkeit, in der sie sich individuell verwirklichen können. Dabei fördern wir Gemeinschaft und das kreative Miteinander.
- Frauen im Kreativ-Business: Für Frauen, die ihr eigenes kreatives Business starten oder ausbauen möchten, aber noch keine eigenen Räumlichkeiten haben, stellen wir unsere Werkstatt zur Verfügung. Außerdem teilen wir unser Know-how zu Workshop-Organisation, Planung und Öffentlichkeitsarbeit und unterstützen sie mit unserem kreativen Netzwerk.
Erzählt uns eine Erfolgsgeschichte aus eurem Startup Alltag – kann sowohl mit eurem Produkt als auch mit der Gründung zu tun haben?
Am schönsten sind für uns unsere Märkte in der Werkstatt – besonders der Weihnachtsmarkt. Da ist es manchmal so voll, dass man um 13 Uhr kaum noch durchkommt!
Außerdem überrascht es uns immer wieder, dass unsere Kurse von Beginn an wochenweise im Voraus ausgebucht sind – das zeigt, dass unser Angebot genau den Nerv unserer Community trifft.
Was waren die größten Herausforderungen bei der Gründung? Woran seit ihr fast gescheitert und was habt ihr daraus gelernt?
Eine der größten Herausforderungen war der Antrag für das Gründungsstipendium der NBank. Wir haben unglaublich viel Arbeit hineingesteckt und am Start-up-Programm des Social Innovation Centers teilgenommen. Trotzdem wurde unser erster Antrag abgelehnt – vor allem, weil wir unser Konzept noch nicht groß und skalierbar genug gedacht hatten.
Das war ein echter Dämpfer. Wir haben unser Konzept daraufhin komplett überarbeitet und deutlich visionärer aufgezogen (Danke an das Social Innovation Center an dieser Stelle, die uns großartig begleitet haben). Ehrlich gesagt dachten wir dabei oft selbst, wir übertreiben mit unseren Prognosen und dem beschriebenen Business-Potenzial.
Nach unserem ersten Geschäftsjahr zeigt sich: Das war überhaupt nicht unrealistisch. Unsere wichtigste Lernkurve daraus: Groß denken ist kein Risiko – es ist der Schlüssel.
Wie kam der Kontakt zu starting business zustande? Was hat sich seitdem konkret verändert?
Der Kontakt entstand über das Angebot von Starting Business, das Greta als Absolventin der LUH genutzt hat. Nach einer Erstberatung durch SB ging es weiter über das Social Innovation Center und die NBank mit dem Gründungsstipendium.
Seitdem konnten wir unsere Gründung erfolgreich umsetzen, unsere Vorhaben und Ziele realisieren und unsere wirtschaftlichen Meilensteine erreichen.
Wie sieht euer Arbeitsalltag aus?
Jeder Tag ist bei uns komplett unterschiedlich – die einzige Konstante ist, dass abends eigentlich immer ein Kurs stattfindet. Den Rest des Tages verbringen wir hauptsächlich mit organisatorischen Aufgaben in der Werkstatt und im Office: E-Mail-Kontakt, Kursplanung, Buchhaltung, Websitepflege, Social Media, Mitglieder-Management und Warenbestellungen sind zeitintensiv und regelmäßig.
Rund um die Kursbetreuung fallen außerdem Vor- und Nachbereitung an – inklusive Glasieren der Werke, Koordination von Trocknungszeiten und Bränden. Die eigentliche Keramikproduktion nimmt ehrlich gesagt den kleinsten Teil unseres Alltags ein: Wir schaffen es aktuell etwa einmal pro Woche selbst zu töpfern.
Welche Pläne habt ihr für die Zukunft eures Startups? Und welche Vision treibt Euch dabei langfristig an?
Für die Zukunft planen wir:
- Personal einzustellen, um unser Team zu erweitern.
- Unsere Keramikproduktion auszubauen und einen Online-Shop einzurichten.
- Im Produktdesign neue Wege zu gehen, z. B. durch 3D-Druck von Keramik.
- Unsere Community zu vergrößern und bestehende Netzwerkpartnerinnen zu unterstützen.
- Langfristig auch soziale Projekte zu realisieren und irgendwann größere Räumlichkeiten zu beziehen.
Unsere Vision ist es, einen Ort zu schaffen, an dem Kreativität, Gemeinschaft und Empowerment zusammenkommen – sowohl für unsere Kundinnen als auch für kreative Unternehmerinnen, die wir auf ihrem Weg begleiten können.
Welchen kleinen, aber goldenen Ratschlag würdet ihr anderen Gründer:innen mit auf den Weg geben — etwas, das ihr gerne früher gewusst hättet?
Sucht euch ein Team, eine Partnerin oder ein starkes Netzwerk – Entscheidungen allein zu treffen ist viel schwieriger, die besten Ideen entstehen im Team. Seid offen und ehrlich, kommuniziert klar und zeigt auch mal eure Struggles – Perfektion nach außen ist nicht nötig. Stellt Fragen, tauscht euch mit anderen Gründer:innen aus, knüpft Kontakte und scheut euch nicht, auch die vermeintliche Konkurrenz anzusprechen. Austausch und Kooperation sind Gold wert.
Lea & Greta

Foto by @juliaschlenkrichfotografie