Wir sprechen regelmäßig mit Startups aus dem starting-business-Netzwerk und teilen Einblicke in Idee, Alltag und Vision. Dieses Mal haben wir im Februar 2026 mit eco:fibr gesprochen. Das Team wurde von starting business begleitet.
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Als allererstes: Wenn ihr euer Startup in einem Song beschreiben müsstet – welcher Song wäre es und warum?
“Change” – Taylor Swift
Dieser Song von Taylor Swift handelt davon, Hindernisse zu überwinden, Erwartungen zu durchbrechen und an den eigenen Wandel zu glauben. Er beschreibt das Gefühl, dass sich etwas grundlegend ändern kann, wenn man dranbleibt und nicht aufgibt.
Wie kam es zur Gründung? Wer hatte die Idee und was war der Auslöser?
eco:fibr ist aus einer Studierendeninitiative von Enactus entstanden. Wir wollten uns gesellschaftlich und im Bereich Klimaschutz engagieren und haben uns deshalb zusammengeschlossen. Im Zuge dieser Arbeit sind wir auf ein konkretes Problem aufmerksam geworden: große Mengen landwirtschaftlicher Reststoffe zum Beispiel die Ananaspflanze bleiben ungenutzt und werden zudem umweltschädlich entsorgt.
Wir haben das Projekt zunächst ehrenamtlich aufgebaut. Dabei wurde schnell deutlich, dass sich das Problem nur dann nachhaltig lösen lässt, wenn ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell dahintersteht. Das Geschäftsmodell haben wir gesehen und haben uns deshalb entschieden eco:fibr als Unternehmen weiterzuführen.
Erklärt eure Idee in einer schriftlichen Sprachnachricht – maximal 10 Sekunden lang
Wir nutzen Pflanzenabfälle aus der Landwirtschaft, angefangen mit Ananaspflanzen und machen daraus Fasern für die faserverarbeitende Industrie wie zum Beispiel Papier, Verpackung, Bau oder Werkstoffe.
Welche Lösung bietet ihr für welche Zielgruppe an?
Wir bringen pflanzliche Abfälle in eine sinnvolle Wertschöpfungskette und adressieren zwei zentrale Herausforderungen unserer Zeit. 1. Umweltverschmutzung und 2. Ressourcenknappheit.
Wir lösen das Abfallproblem auf Agrarflächen. Pflanzenreste, die bislang umweltschädlich entsorgt wurden, werden jetzt sinnvoll weiterverwendet.
Der faserverarbeitende Industrie bieten wir einen neuen innovativen Rohstoff für verschieden Einsatzgebiete wie Gipsplatten, Faserguss oder Verpackungen.
Kunden profitieren dabei von einer starken Umwelteinsparung (wie zB Co2 & biodiversitätsförderung) , höheren Festigkeiten oder geringerem Energieaufwand bei der Mahlung.
Erzählt uns eine Erfolgsgeschichte aus eurem Startup Alltag – kann sowohl mit eurem Produkt als auch mit der Gründung zu tun haben?
Wir haben bereits zwei Finanzierungsrunden erfolgreich abgeschlossen und die zweite sogar zweimal überzeichnet, was in der aktuellen Zeit wirklich nicht selbstverständlich ist. Mit dem letzten Investment können wir jetzt unser Team erweitern und wollen mit unserer Faser aus Ananaspflanzenresten den europäischen Markt erobern.
Was waren die größten Herausforderungen bei der Gründung? Woran seit ihr fast gescheitert und was habt ihr daraus gelernt?
Die Liquidität in einem Unternehmen ist das Wichtigste Gut, um es am Leben zu halten und voranzuschreiten (neben dem Teamzusammenhalt). Kurz vor Abschluss beider Finanzierungsrunden waren wir am Ende unserer Liquidität und konnten beide Runden fast im letzten Moment beenden. Die damit eingehende Unsicherheit und der Hohe Druck waren große Herausforderungen, die wir nur durch unseren guten Teamzusammenhalt gemeistert haben.
Wie kam der Kontakt zu starting business zustande? Was hat sich seitdem konkret verändert?
Dadurch, dass wir als Gründer*innen und Starter*innen des Unternehmens alle als Studierende der Leibniz Universität Hannover zusammengefunden haben, war Starting Business eine unserer ersten Anlaufstellen, um Support zu erhalten. Da das schon 2018 war, hat sich seitdem alles verändert, vom Weg als Studiprojekt zum wachsenden Startup. Ich erinnere mich noch gut an unseren Ersten Pitch in der Milchbar an der Hauptmensa wo wir u.a. gegen HAIP angetreten sind, die es ja ebenfalls auch heute noch gibt.
Wie sieht euer Arbeitsalltag aus?
Es ist gar nicht so leicht, unseren Arbeitsalltag zu beschreiben, weil er selten gleich aussieht – und sich je nach Mitarbeiter*in auch ganz unterschiedlich gestalten kann. Obwohl wir unseren Unternehmenssitz in Hannover haben und die meisten von uns von hier aus arbeiten, ist unser Team deutschlandweit verteilt. Auch in Zukunft möchten wir uns nicht auf einen einzigen Standort beschränken.
Deshalb haben wir regelmäßige Meetings, in denen sich alle mindestens einmal täglich austauschen können. Da wir aktuell von fünf auf acht Teammitglieder wachsen, wird sich unsere Struktur in den kommenden Monaten noch etwas weiterentwickeln.
Uns ist dabei besonders wichtig, dass wir uns gegenseitig die größtmögliche Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung erhalten.
Welche Pläne habt ihr für die Zukunft eures Startups? Und welche Vision treibt Euch dabei langfristig an?
Unsere Vision liegt in einer Welt, in der pflanzliche Reststoffe nicht mehr verschwendet sondern als wertvolle Ressource betrachtet werden. Auch über unsere Mission turning waste into purpose ist unser Weg klar vorgezeichnet. Wir valorisieren pflanzliche Reststoffe und erschaffen damit neue finanzielle, ökologische und soziale Werte.
Welchen kleinen, aber goldenen Ratschlag würdet ihr anderen Gründer:innen mit auf den Weg geben — etwas, das ihr gerne früher gewusst hättet?
Netzwerk ist key! Gerade in der frühen Phase macht es Sinn sein Startup in zum Beispiel verschiedenen Accelorator-Programmen zu challengen und auf die Kunden, für die man das Produkt entwickelt zu zugehen. Dabei ist gut gemeintes Feedback aber nicht immer gut gemacht.
Merit, Julian, Michelle, Niklas & Susan
